Survival of the fittest
Egal ob beim Anprobieren teurer Mode oder beim Erkunden des Angebotes auf dem Wühltisch, auf der Suche nach der richtigen Größe landet der Blick auf dem Etikett: „Made in Bangladesh“, „Made in Cambodia“ ... - die Liste der geographischen Zonen Asiens, Osteuropas oder Südamerikas, die auf die Etiketten vertreten sind, ist lang und kann fortgesetzt werden.
... Ein Kleidungsgeschäft wird in die Räume des Museums übertragen: auf einem Podest liegen T-Shirts, auf deren außergewöhnlich großen Etiketten „Survival of the fittest“ steht. Handelt es sich um ein cooles Werbeslogan, um die Bekleidung der TeilnehmmerInnen einer Reality-Show oder um eine Kritik an die gegenwärtige globalisierte ökonomie der Ressourcenausbeutung? Oder um alles zusammen?
Solche gezielte Ambivalenz ist überhaupt charakteristisch für den künstlerischen Ansatz von Ute Richter. Auch bei dem mit Silber, in Grafitti-Ästhetik, übersprühten Wort „Robinson“. Auf dem ersten Blick ist die Assoziation zum „Robinson Crusoe“ – der berühmte Roman von Daniel Defoe – wohl sehr direkt. Heutzutage aber, wenn man den Name „googelt“, stößt man zuerst auf hunderte Internetseiten, die „abenteuerliche“ Reisen in „exotischen“ Ländern anbieten. Ist es nur ein Zufall, dass in diesen Ländern, unter anderem, Warenproduktionen ausgelagert werden?
Das Thema „Arbeit“ taucht in dem kurzen Video im Nebenraum wieder auf. Ohne das Feld der symbolischen Darstellung zu verlassen, zeigt die Künstlerin eine Fabrikhalle oder vielleicht ein Riesenlager, wo Männer in Arbeitsbekleidung anscheinend nur spazieren gehen oder Fahrrad fahren. Wird dort überhaupt gearbeitet? Wird etwas produziert? Die Elemente der Installation sind Eckdaten. Wie sie zusammengestellt (konfiguriert) werden, liegt am Betrachter. Genau wie beim Einkaufen – die T-Shirts sind da, the choice is yours!
Textauszug von Ilina Koralova, GfZK Leipzig
